Eine ca. 3 Jahre dauernde Ausgrabung durch viele Jahrhunderte
Durch die Umgestaltung der Neue-Strasse und den Bau einer Tiefgarage wird hier in Ulm die größte
Ausgrabung Deutschlands durchgeführt. Die Grabungsfläche umfaßt genau die Dimensionen der späteren
Tiefgarage: 13.000 Quadratmeter. Für diese Arbeiten wird eine Zeit von 3 Jahren eingeplant.
Das ganze Gelände war seit dem Mittelalter bebaut und umfasste auch den alten Marktplatz. Im Jahre 1944
wurden 90 Prozent der Gebäude zerstört, die Reste dem Erdboden gleichgemacht und mit Schutt verfüllt.
In der 50er Jahren errichtete man darauf die "Neue-Straße" wie man sie bis heute kannte. Diese von
vielen nachträglich als Bausünde bezeichnete Planung wird nun weitgehend rückgängig gemacht.
Auf reges Interesse bei den Ulmer Bürgern stoßen die laufenden Ausgrabungen. So wird schon mal auf Grund des großen Andranges spontan eine Extraführung für den nächsten Tag angekündigt. Hier der Treffpunkt im Haus "Künkele" benannt nach einem der letzten Bewohner.
Eine noch ungeöffnete Zisterne mit Wasserzulauf kommt unter zwei Schichten Bodenbelag zum Vorschein.
Zwei "Lichthöfe" für z.B. Kerzen sind in diese Kalksteinwand eingelassen. Erbaut wurde diese Mauer zwischen ca. 1350 und 1400. Die schwarze Farbe kommt von einem Bitumenanstrich aus dem 20.Jahrhundert vermutlich gegen aufsteigende Feuchtigkeit.
Der Bodenbelag aus dem 14.Jahrhundert in dem auch Reste eines Grubenhauses aus Lehm gefunden wurden. Grubenhäuser wurden Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit oft für die Textilherstellung verwendet.
Ein letzter Blick von oben in den Keller des Hauses "Künkele"...
...dann geht es weiter in die nächsten Gewölbereste.
Ein aus Backsteinen gebauter Bierkeller aus dem 15 oder 16 Jahrhundert. Aus der Form und Art der Backsteine im Vergleich z.B. mit dem Münster, läßt sich auf das ungefähre Alter des Kellers schließen.
Im Hintergrund der Eingang zu einem in einen Luftschutzkeller umgebauten Gewölbe. Man darf nicht vergessen: 90 Prozent der über diesen Gewölben gebauten Gebäude wurden 1944-45 zerstört.
Hier nun die Mauern eines der beiden Turmhäuser am mittelalterlichen Marktplatz. (Hier der Keller der ehemaligen Bäckerei Martin)
Diese Turmhäuser wurden mit Kalksteinen vermutlich aus der Blausteiner Ecke ohne jeden Mörtel erbaut.
Es wird vermutet das nur die Mauern bis zum Ersten Stock aus Stein waren und darüber ein Fachwerkbau stand. Da sich in diesen Jahrhunderten nur reiche Familien so ein Haus aus Stein leisten konnten, stammt daher vielleicht auch der Begriff "Steinreich".
Einer der zahlreichen Gänge die die Keller miteinander verbanden. Das ein geheimer Gang bis ins Rathaus reichen soll, konnte bis heute nicht bestätigt werden.
Ein alter Brunnen oder Latrine und dahinter noch eine bereits durch Grabungen angeschnittene "Kulturschicht", also eine Erdschicht die nicht natürlichen Ursprungs ist, sondern im Laufe der Jahrhunderte gewachsen ist und oft noch Fundstücke enthält. Zur Zeit der Nutzung dieses Brunnens war die Olgastraße noch ein Nebenarm der Blau.
Das chaotische Durcheinander der jahrhundertelangen Bautätigkeit: Kalksteinmauern zurückreichend bis ins Mittelalter, jüngere Backsteinmauern ab dem 14. und 15. Jahrhundert und dazwischen Betonfundamente aus der Neuzeit.