06.09.2015

Wilde Bestäuber sichern das Einkommen von Mandelbauern

Erste ökonomische Hochrechnungen für kalifornische Mandelplantagen zeigen: je mehr wild lebende Bestäuber wie Wildbienen und Schwebfliegen, desto sicherer sind die Erträge der Mandelbauern. Verglichen mit Mandelplantagen, die ausschließlich von gezüchteten Honigbienen bestäubt werden, reduziert die Zuarbeit von wild lebenden Bestäubern das Risiko unsicherer Erträge um bis zu 20%.
 
Diesen „Versicherungseffekt“ stellt die Freiburger Umweltökonomin Yuki Henselek am 2. September 2015 auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie vor. Ihr Fund ist angesichts des weltweiten Bienensterbens sowohl ökonomisch als auch ökologisch relevant.
 
Kalifornische Mandelbauern sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Deshalb transportieren sie jedes Jahr rund die Hälfte der knapper werdenden Bienenvölker der USA zu ihren Plantagen. Doch auch von den kostenlosen Leistungen wild lebender Bestäuber wie Wildbienen und Schwebfliegen profitieren die Mandelbauern wirtschaftlich: Sie erhöhen das durchschnittliche Einkommen eines Mandelbauern um bis zu 68 % und reduzieren gleichzeitig das Risiko unsicherer Erträge um bis zu 20 %. Am meisten profitieren organisch wirtschaftende Mandelbauern mit hohem Anteil natürlicher Vegetation in der Umgebung ihrer Plantagen. Das zeigen erste Hochrechnungen der Umweltökonomin Yuki Henselek von der Albert-Ludwigs- Universität Freiburg. Ihre ersten Ergebnisse präsentiert sie am 2. September 2015 auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie in Göttingen. Unter dem Motto „Ecology for a sustainable future“ treffen sich hier rund 600 Ökologen aus 38 Ländern.
 
Die Studien der Freiburger Umweltökonomin belegen, dass wild lebende Bestäuber substanziell zum Einkommen der Mandelbauern beitragen. Besonders das verringerte Risiko unsicherer Erträge ist laut Yuki Henselek ein spannender und neuer Aspekt: „Wir bezeichnen das als ‚Versicherungseffekt‘ für das Einkommen der Mandelbauern. In unseren Berechnungen zeigt sich das durch geringere Schwankungen des mittleren Einkommens der Landwirte. Das bedeutet auch, dass es unwahrscheinlicher ist, besonders geringe Erträge zu erzielen, wenn nicht nur die gezüchteten Honigbienen, sondern auch die wilden Bestäuber da sind. Diese ‚Einkommensversicherung‘ durch wilde Bestäuber könnte auch angesichts des weltweiten Bienensterbens bald eine Rolle spielen.“
 
Grundlage der Berechnungen von Yuki Henselek sind Beobachtungen von blütenbesuchenden Insekten auf 23 Mandelplantagen in Sacramento Valley, Kalifornien. Die Freiburger Professorin und Vizepräsidentin der Gesellschaft für Ökologie, Alexandra-Maria Klein, hatte hier im Frühjahr 2008 Tausende Insekten auf Mandelblüten beobachtet und ihre Erfolgsquote bei der Mandelproduktion bewertet. Die Modelle von Yuki Henselek rechnen die Leistungen der Honigbienen sowie der wilden Bestäuber auf die zum aktuellen Marktpreis verkauften Mandeln eines Bauern je Baum in einer Saison hoch.

Gesellschaft für Ökologie e.V.

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